Voller Traurigkeit

Sprachlos verfolge ich die momentane Debatte über Hartz IV in Deutschland. Es ist ein Trauerspiel, was mittlerweile weder Wut noch irgendein anderes Gefühl außer Traurigkeit verursacht. Gebildete Menschen reden soviel Nonsens. Es wird offensichtlich, was dem aufmerksamen Hartz IV Abhängigen seit der Einführung von Hartz IV klar war: eine große Zahl von Politikern hat den Bezug zur Realität komplett verloren.
Spahn bildet nur die Speerspitze. Er ist nicht der Erste und er wird auch nicht der letzte Politiker sein, der geistigen Dünnschiss von sich gibt, von dem er nicht einmal im Ansatz Ahnung hat. Die meisten Politiker haben keine Ahnung. Die Linke kann sich im Ansatz zumindest denken, wie es für den Hartzer aussehen mag, haben sie doch als einzige Partei von Anfang an Beratungsstellen eingerichtet. Will nur niemand sehen und, wenn auf die Linke geschimpft wird. Es übersehen zudem viele, dass die Linke von Anfang an gegen Hartz IV war. Das sie immer schon dafür war, Sanktionen endlich abzuschaffen. Es wird wieder so getan, als hätte niemand je etwas davon gewusst, wie böse doch Sanktionen sind.

Dabei wäre es so einfach, ohne viele Worte. Gerne würde ich durch den Bundestag gehen, während Let it be läuft und Zettel verteilen. Auf diesen Zettel wären folgende drei Artikel vermerkt:

Artikel 22
Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Maßnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuß der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind.

Artikel 23
(1) Jeder hat das Recht auf Arbeit, auf freie Berufswahl, auf gerechte und befriedigende Arbeitsbedingungen sowie auf Schutz vor Arbeitslosigkeit.
(2) Jeder, ohne Unterschied, hat das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit.
(3) Jeder, der arbeitet, hat das Recht auf gerechte und befriedigende Entlohnung, die ihm und seiner Familie eine der menschlichen Würde entsprechende Existenz sichert, gegebenenfalls ergänzt durch andere soziale Schutzmaßnahmen.
(4) Jeder hat das Recht, zum Schutze seiner Interessen Gewerkschaften zu bilden und solchen beizutreten.

Artikel 24
Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.

der Menschenrechte.
Wenn jeder Politiker das SGB II mit diesen drei Artikeln ohne Ausnahme in Einklang bringen und erläutern kann, so möchte ich nachfolgend für meine Vergehen sanktioniert werden und mich aufrichtig dafür entschuldigen. Theoretisch dürfte das SGB II bereits mit Artikel 22 kollidieren, sollte der Leser gebildet genug sein und die Zusammenhänge erkennen können. Doch spätestens bei Artikel 23 dürfte auch dem weniger gebildeten Leser klar sein, dass dieses Menschenrecht mit dem SGB II nicht erfüllt wird.

Mehr habe ich zu dieser Debatte nicht mehr zu sagen. Es ist schon genug Luft verblasen worden, während Menschen im Zuge dieser Gesetze ihr Leben gelassen haben. Jeder Politiker, der Hartz IV verteidigt, hat Blut an seinen Händen und keine Ahnung von seiner Arbeit. Jedem Politiker, der Hartz IV verteidigt werfe ich vor, dass er nur des Geldes wegen Politiker ist und sich selber gerne reden hört.
Diese Politiker vergessen nämlich, dass auch sie auf Pump leben. Ihr schönes Leben finanziert der Steuerzahler. Ihre viel zu hohen Diäten werden von mir getragen, denn im Gegensatz zu Ihnen bezahlt der Hartz IV Empfänger Steuern. Wo liegt der einzige Unterschied? Sie werden für die Scheiße, die sie verzapfen und ungebührlichem Verhalten nicht sanktioniert. Ihnen können nicht aus reinster Willkür einfach mal so die Diäten versagt werden. Selbst wenn sie offensichtlich Mist gebaut haben, werden ihre Diäten nicht gekürzt. Diese Gierhälse wollen mir wirklich erklären, wie ich mit Hartz IV zu leben habe? Die und ich sage aus tiefster Respektlosigkeit die, sollten erst einmal im Lexikon nachlesen, was Menschlichkeit und Mitgefühl bedeuten. Vielleicht sind sie dann auf meinem hohen Bildungsniveau, um mit mir Augenhöhe kommunizieren zu können. Bis dahin sind sie für mich bösartige Querschläger der Evolution.

Einem Menschen seine Menschenrechte verweigern bedeutet, ihn in seiner Menschlichkeit zu missachten.
Nelson Mandela

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